Malte Sieveking zu Besuch im Tageszentrum Burg Wonnecken

Malte Sieveking hat uns am 22.Jan.2014 im Tageszentrum Burg Wonnecken besucht.

Seit dem Tod meiner Mutter, die 6 Jahre zuvor erkennbar demenzkrank geworden war, beschäftigt mich die Frage, wie es mir und anderen nach dem Ende eines solchen, lange scheinenden, oft sogar sehr langen, begleiteten Leidensweges ergeht.

Was bedeuten die auftauchenden Erinnerungen, welchen Sinn kann man in alledem, das nun abgeschlossen scheint, erkennen?

Der Film, „Vergiß mein nicht“, in dem Malte Sieveking die seine Frau begleitende helfende Hauptperson war, w a r , nicht: spielte, der von seinem Sohn gedreht worden ist, scheint mir ein Weg zu sein, sich mit dem ganzen Problem dieser Krankheit auseinander zu setzen.

Nun hat dieser Film Auswirkungen. Und eine davon ist das Gespräch, das wir mit Malte Sieveking führen konnten.

Es war ein ganz ruhiges, konzentriertes Gespräch rund um den großen ovalen Tisch in der Wohn-Eßküche des Tageszentrums. Mitglieder des Vorstandes, des Vereins und der Leitung des Tageszentrums hatten sich mit Malte Sieveking zusammen an den Tisch gesetzt, der gedeckt war und bestückt mit Kuchen und ein paar belegten Broten.

Malte Sieveking brachte ein fein hergestelltes blaues Büchlein, eigentlich wie ein Heft aussehend, mit und las daraus vor. Er hatte Schulaufsätze seiner Frau darin zusammengestellt, ganz nachdenkliche sogenannte Besinnungsaufsätze einer 16Jährigen.Was in unserem Tischgespräch jeweils an eigenen Erfahrungen zur Sprache kam, drückte sich aus einerseits als ein andauernder Protest gegen diese Krankheit, andererseits als Wahrnehmung einer vermehrten, geradezu erneuerten Liebe.

Während wir die blauen Hefte in den Händen hielten, wurde Malte Sieveking oben im 1. Stock die neu eingerichtete Pflege-Oase gezeigt. Er hatte bisher so etwas nicht gekannt und schien beeindruckt.

Wenn ich mir nun vorstelle, wie Malte Sieveking zusammen mit seinem Sohn bisher schon und wohl weiterhin im Zusammenhang mit diesem Film Alzheimer-Gruppen besucht hat und besuchen wird, wie unter uns, die wir an diesem Gespräch teilnahmen, sich einige ehrenamtlich einsetzen zugunsten von Demenzkranken, dann kann ich mir auch vorstellen, daß das Sinnlose dieser Krankheit durch solche Aktivität zu etwas Sinnvollem führt. Die Zeit der Begleitung eines Demenzkranken ist keine verlorene Zeit, auch dann nicht, wenn Protest dagegen und Fragen bleiben.

Olga von Lilienfeld-Toal